Unterdrückung der Tamilen im Kontext internationaler geostrategischer Interessen: Teil 1 PDF E-Mail
Pressemeldung   
I   Geschrieben von: Human Rights   I    Mittwoch, den 17. März 2010 um 19:11 Uhr


Geschichte der Unterdrückung
Die vielschichtige Unterdrückung, der die Tamilen in Sri Lanka ausgesetzt sind, geht zurück auf die britische Kolonialzeit. Sri Lanka, das ehemalige Ceylon, war für die Briten, die die Insel 1796 von den Holländern übernahmen, aufgrund seiner strategischen Lage von enormer Bedeutung. Großbritannien nutzte die Insel vorrangig als Militärposten aufgrund ihrer besonderen Lage nahe der wertvollen Kronkolonie Indien.

Schon im 16. Jahrhundert hatten die Portugiesen die Bedeutung des natürlichen Tiefseehafens von Trincomalee im Nordosten der Insel zur Kontrolle der Hauptschiffsrouten im Indischen Ozean erkannt. So erklärte nach der Übernahme der holländischen Besitztümer im Jahre 1796 William Pitt vor dem englischen Parlament über Sri Lanka: „Es ist für uns der wertvollste koloniale Besitz auf dem Globus, da es unserem indischen Imperium eine Sicherheit gibt, die es seit seiner Gründung nicht genossen hat.” Zu jenem Zeitpunkt existierten zwei getrennte Königreiche auf der Insel – das singhalesische und das tamilische Königreich. Beide Bevölkerungsgruppen waren als Ureinwohner anzusehen, die in etwa zur gleichen Zeit lange vorher die Insel besiedelt hatten. Weder die Portugiesen noch die Holländer, die nacheinander die Insel kolonialisiert hatten, sahen eine Notwendigkeit, die unabhängige Existenz dieser Königreiche anzutasten.

Erst die Briten zwangen den tamilischen Nordosten und den singhalesischen Süden zu einer Einheit und bezeichneten dies als „vernünftige Administration”. Die britischen Kolonialisten, bekannt für ihre „Teile und Herrsche”-Strategien, vereinigten die beiden Inselvölker zu einer Verwaltungseinheit, um langfristig die Kontrolle über die Insel und die gesamte Region zu erhalten und damit ihre strategischen Interessen im Indischen Ozean zu wahren. Zunächst wurde die Insel fast ausschließlich als militärischer Außenposten zur Weiterführung der ökonomischen Ausbeutung Indiens- Großbritanniens „Juwel der Krone” - genutzt. Tatsächlich vermieden die Briten unnötige Konflikte mit den Inseleinwohnern. Doch die gewaltsame Zwangsvereinigung legte die Basis dafür, dass die tamilischen Siedlungsgebiete im Norden und Osten des Landes unter die Kontrolle der dominierenden singhalesischen Mehrheitsbevölkerung kam. Ein weiterer Grundstein für die noch heute bestehende Unterdrückung der Tamilen wurde gelegt, als die Briten mit der Plantagenwirtschaft auf der Insel begonnen. Im Unterschied zu Sri Lanka war Indien durch die brutale Ausbeutung der Briten verwüstet worden. Anstatt die singhalesische Landbevölkerung gegen sich aufzubringen und Instabilität in ihrem militärischen Außenposten zu riskieren, brachten die Briten Hunderttausende Tamilen aus dem nun verarmten Indien als quasi Sklavenarbeiter in das Gebirgsgebiet der Insel. Zuerst wurde Kaffee angebaut, dann Tee. Die Teeplantagenwirtschaft wurde nicht nur für die Briten äußerst ertragreich, sondern belebte die Wirtschaft der gesamten Insel, so dass viele Singhalesen zu Reichtum kamen – alles mit dem Blut und Schweiß der tamilischen Plantagenarbeiter. Auf diese Weise schafften die Briten eine Hierarchie, in der die Singhalesen begannen, auf die Tamilen herabzuschauen, die von den Briten im Gegensatz zu den Singhalesen wie Sklaven behandelt wurden. Nachdem Indien erfolgreich seine Unabhängigkeit erkämpft hatte, wurde auch Sri Lanka die Unabhängigkeit gestattet, obwohl die Inselbewohner sich praktisch kaum für ihre Unabhängigkeit eingesetzt hatten. Die Briten nahmen an, dass ein nominell unabhängiges Sri Lanka besser als Trojanisches Pferd geeignet wäre, als eine peinlich offensichtlich loyale Kolonie in solcher Nähe zu Indien, dass immer noch von großer Bedeutung für Großbritannien war.

Als die Briten die Insel 1948 verließen, war es nicht verwunderlich, dass sie die Macht an die singhalesische Elite übertrugen, die solch große Vorteile durch die britische Herrschaft erlangt hatte. Diese Elite knüpfte nahtlos an die Unterdrückungspolitik der Briten an. Als erstes nahmen sie den tamilischen Plantagenarbeitern das Wahlrecht. Schon vor der Unabhängigkeit war die Plantagenwirtschaft, die den Hauptanteil an der Wirtschaft der Insel ausmachte, in eine Krise geraten, nachdem andere Länder anfingen, Tee billiger zu produzieren. Obwohl die tamilischen Plantagenarbeiter schon für über hundert Jahre auf der Insel arbeiteten, nahm der Druck zu, sie als „Überschuss” nach Indien abzuschieben. Da die ökonomische und politische Macht ausschließlich in den Händen der Singhalesen lag, verblieb der tamilischen Bevölkerung im Nordosten nur durch die Nutzung der Bildungsmöglichkeiten ein Weg zum Fortschritt und zur Sicherung des Lebensunterhaltes. Auf diese Weise war es einer Großzahl von Tamilen möglich, professionelle Arbeit und Stellen als niedrig gestellte Beamten zu finden. In den folgenden Jahrzehnten nach der Unabhängigkeit begannen dann singhalesische Politiker gezielt mit der Verdrängung von Tamilen aus dem Beamtensektor und besetzten die freigewordenen Stellen mit Angehörigen der singhalesischen Mittelschicht, obwohl diese dafür weniger qualifiziert waren. In wahrhaft faschistischer Manier wurde die singhalesische, rassistische Politik von physischer Gewalt gegen die Tamilen begleitet. Ab 1958 kam es in regelmäßigen Abständen zu antitamilischen Ausschreitungen, deren Brutalität ich von Mal zu Mal steigerte. Ein grausamer Höhepunkt dieser Periode der Unterdrückung waren die pogromartigen antitamilischen Ausschreitungen im sogenannten Schwarzen Juli 1983. Weltweit berichteten die Schlagzeilen internationaler Medien, wie innerhalb weniger Tage mehr als 3000 Tamilen brutal massakriert, unzählige Besitztümer zerstört und Hunderttausende Flüchtlinge geschaffen wurden.

Die großen politischen Parteien, die von Singhalesen dominiert wurden, nutzten antitamilische Slogans im Wahlkampf. Antitamilische Gesetzgebungen, wie der Singhala Only Act, der der tamilischen Sprache den offiziellen Status absprach und den Tamilen höhere Zugangsbestimmungen zu Universitäten vorschrieb, gingen Hand in Hand mit regelmäßigen Massenausschreitungen gegen die tamilische Bevölkerung. Dennoch beschränkten sich die Tamilen für Jahrzehnte auf gewaltlose Mittel des Protestes gegen ihre Unterdrückung. Ihre streng an Ghandi orientierte Form des gewaltfreien Widerstandes wurde von der singhalesischen Dominanz mit der Ausweitung von Gewalttaten beantwortet. Bereits während der Wahlen im Jahre 1977 stimmte die überwiegende Mehrheit der tamilischen Bevölkerung in einem Referendum für die Autonomie und selbstständige Verwaltung ihrer Siedlungsgebiete im Norden und Osten des Landes.

 

 

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